Ich bin mal wieder gescheitert – Was ich daraus mitnehme

Nach fast 5 Jahren nehme ich heute mit einem lachenden, aber auch weinenden Auge meine Zeiterfassungssoftware TimeOwl vom Netz. Eine Entscheidung, die mir nicht leicht gefallen ist und die ich oft vor mir hergeschoben habe. In diesem kurzen Artikel möchte ich euch die Geschichte dahinter schildern und was ich daraus gelernt habe.

Eigentlich fing alles sogar vor 13,5 Jahren auf Island an. Draußen regnete es wie verrückt, ich saß in unserem Gästehaus und versuchte irgendwie den verrotteten Haifisch zu verdauen, dessen Nachgeschmack mir immer wieder hochkam (aber das ist eine andere Geschichte).

Ich war unzufrieden mit den Zeiterfassungssystemen, die wir in den letzten Monaten bei mobfish ausprobiert hatten und wollte etwas Einfaches haben. Etwas, das direkt in meinem Kalender funktioniert, den ich neben Chat und Todo-liste eigentlich ständig offen habe.

So kam ich auf die Idee, wie bei Twitter (so hieß der Vogel damals noch), Hashtags zu verwenden um ganz einfach Termine mit den passenden Projekten zu verbinden.

Da wir als Unternehmen komplett mit Google Workplace unterwegs waren, entstand ein kleines Regenwetterprojekt. Ziel war ein kleines Script, das die Stunden aus meinem Kalender direkt in Google Sheets auswerten würde. Das klappte echt prima und war die darauffolgenden Wochen meine Art der Zeiterfassung.

Irgendwann nahm ich mir dann die Zeit, diesen kleinen Script so auszubauen, dass man verschiedene Reportings erstellen konnte und stellte das ganze Kostenlos für alle Google Sheets Nutzer zur Verfügung.

Eine kleine Erfolgsgesichte, das den Namen „TimeSheets“ trug. Bis heute wurde dieses kleine Plugin über 400.000 mal heruntergeladen und mein Postfach bekommt regelmäßig Supportanfragen oder einfach nur positives Feedback.

Der Nachteil an Google Sheet Plugins ist, dass es keinerlei Monitarisierungsmöglichkeiten gibt. Außer man würde den Script stark verändern oder unnötige Berechtigungen anfordern, was ich nicht wollte.

Daraus entstand die Idee, eine größere Zeiterfassungsoftware mit der gleichen Logik, aber besseren Auswertungsmöglichkeiten und Anbindungen an Drittsysteme zu entwickeln. So war TimeOwl geboren.

Im Januar 2021 stellte ich ein kleines Team aus internationalen Freelancern zusammen und finanzierte die Entwicklung des UX Konzeptes und Designs. Zusammen mit einem Entwickler aus den Philipinen saß ich Monatelang daran, der kleinen Eule Leben einzuhauchen.

Meine Vision war dabei, die begeisterten Nutzer von Timesheets, zu begeisterten Kunden von Timeowl zu machen.

In dem Projekt beschäftigte ich mich mit vielen spannenden Themen, so habe ich den gesamten Funnel getrackt, von der ersten Berührung mit der App, bis hin zum Kauf des Abos.

Über Brewo habe ich inaktive Nutzer wieder zurückgewonnen und für die Bezahlungen Stripe eingebunden. Auch war es das erste Projekt, wo ich, statt einer SQL Datenbank mal auf eine Dokumentendatenbank (MongoDB für die Nerds ;)) gesetzt habe.

Mit dem Designer aus Canada habe ich das erste Mal Figma verwendet und die App als PWA (Progressive Web App – Webseiten die sich als App verwenden lassen – damals der neueste Shit) entwickelt. Mit einem Designer aus Agypten hab ich sogar kleine Eulenanimationen gebaut.

Viele spannende Iterationen hat es die letzten Jahre gegeben, leider blieb das Projekt ein teures Hobby. Mir gelang es nicht die bestehenden Kunden aus Timesheets für TimeOwl zu begeistern. Für neue Nutzer, die das Konzept hinter Timesheets und Timeowl nicht kannten, war der Einstieg zu komplex und umständlich, sodass nur wenige Kunden überhaupt lange dabei blieben. Insgesamt buchten nur vier Personen das Abo. Von denen war nur einer aus Europa. Die beiden anderen kosteten mich und meinen Steuerberater ein paar Nerven.

Anfang 2024 habe ich dann mein Engangement zurückgefahren, die Serverkosten etwas reduziert und die Freelancer aus dem Projekt genommen und alleine weiter gemacht. Viel Support und keine Umsätze, dafür aber ein Projekt dass mir bis dahin jede Menge Spaß gemacht hatte zu entwickeln.

In meiner Brust schlagen aber zwei Herzen, die des neugierigen Tüftlers und das des Unternehmers. Und so verlor ich, getrieben durch das zweite Herz, langsam das Interesse und das erste Herz fand neue spannende Projekte, wie vollautomatisierte Podcasts oder Gen-AI Tools für verschiedene Kunden.

Dieses Jahr habe ich dann zunächst versucht, einen Projektpartner zu finden, oder das Projekt zu verkaufen, was mir misslang. Die Gründerstory ohne Hockeystick bei den Einnahmen ist sehr schwer zu verkaufen. Daher jetzt auch mein Entschluss, Timeowl komplett abzuschalten, um den Kopf für Neues freizuschaufeln. Denn die laufenden Kosten und vor allem die Support-Mails, die ich nebenbei immer noch beantworte, rauben einem doch Synapsen. Und die drei Kunden sind nicht mal eine Aufwandsentschädigung.

Scheitern gehört zum Leben dazu. Vor allem als Gründer. Das durfte ich schon einige Male mehr oder weniger schmerzhaft lernen. Jedes Scheitern geht aber auch mit Erfahrungen einher. Erfolg ist ein schlechter Lehrmeister, weil man meist den Faktor „Glück“ unterschätzt, was ich damals bei mobish lernen durfte (das würde einen eigenen Artikel füllen). So habe ich einmal mehr gelernt, was nicht funktioniert.

Was ich aus der Zeit mit Timeowl mitnehme:

– Viele technischen Fähigkeiten und Code-Schnipsel, die ich sicher nochmal gebrauchen werde: Mailautomatisierung, Funnel-Tracking, Mongo-DB, Google Data-Studio (heute XY), die ganze Google API Geschichte und natürlich Stripe.

– Nutzer sind ungeduldig. Jede noch so kleine Hürde führt zu Absprüngen in der User-Journey. Eigentlich dachte ich immer, dass ich das wüsste, aber ich unterschätze es immer wieder.

– Near- und Off-Shoring ist gar nicht so einfach. Weil man andauernd verarscht wird. Wenn möglich arbeite ich lieber lokal, am besten sogar mit den Menschen vor Ort.

– Alleine Gründen ist nicht meins. Keiner versteht deine Probleme.

Und als letztes:

Produktnamen mit Tieren als Masskotchen sind cool, mann kann sich sehr viele Easter-Eggs überlegen – oder ein Projekt soooo emotional beenden wie in diesem Video:

Titelbild: KI-Generiert mit Imagen 4
Video: KI-Generiert mit Nano Banana, Veo3 und Suno AI

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